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Berthe Jentzsch

AWO Kreisverband Spree-Wuhle gewinnt Respektpreis

Für seine LSBTI*-Krisenwohnung wurde der AWO Kreisverband Berlin Spree-Wuhle e.V. heute mit dem Respektpreis 2021 des Bündnis gegen Homophobie ausgezeichnet. Die Preisverleihung wurde pandemiebedingt digital durchgeführt. Eröffnet wurde die Veranstaltung mit Grußworten von Eren Ünsal, Leiterin der Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung, Sabine Beck von L-Support und Stefan Kiefer von der Charta der Vielfalt.

Verleihung des Respektpreises 2021
Verleihung des Respektpreises 2021; (v.l.n.r. Christian Meyerdierks, stellv. Kreisvorsitzender AWO KV Spree-Wuhle, Katharina Poluda, Mitarbeiterin LSBTI*-Krisenwohnung und Christopher Schreiber, Geschäftsführer LSVD Berlin-Brandenburg); Bildnachweis: LSVD Berlin

Hamsa* ist 21 und homosexuell. Seine Familie erkennt das nicht an und möchte den jungen Mann zwangsverheiraten. Luis* ist queer. Ihre Brüder drohen, sie umzubringen, sollte sie die „Ehre der Familie weiterhin beschmutzt“ – Es gibt viele Gründe, warum Menschen, die Krisenwohnung des AWO Kreisverbands Spree-Wuhle aufsuchen. Meist werden sie aufgrund ihrer geschlechtlichen Identität oder sexuellen Orientierung in ihrem sozialen Umfeld diskriminiert, ausgegrenzt, bedroht oder sind körperliche und psychische Gewalt ausgesetzt.

Die LSBTI*-Krisenwohnung des AWO Kreisverbandes Berlin Spree-Wuhle arbeitet mit dem  Zentrum für Migranten, Lesben und Schwule (MILES) des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg e.V. (LSVD) zusammen. Fünf Plätze bietet der 2019 eröffnete Safe Space schutzsuchenden LSBTI*-Menschen – für den realen Bedarf zu wenig. Das Angebot, so zeigt sich in den letzten Jahren, kann die Anfragen kaum abdecken. Und das obwohl aktuell nur Berliner*innen Zugang haben. Deutschlandweite Anfragen müssen zur Zeit leider abgelehnt werden.

Laudatorin Birgit Münchow, Fachreferentin für Frauen, Gleichstellung & LSBTI* beim AWO Landesverband Berlin, lobte das jahrelange Engagement des AWO Kreisverbandes unter anderem als Ausrichter des LesBiSchwulen Parkfestes und Träger der Schutzwohnung: „Ihr schafft es Lebensfreude auszustrahlen, Verbündete zu suchen, Menschen zusammenzubringen und politisch und gesellschaftlich für eigentlich selbstverständliche Rechte zu kämpfen. Im Jahr 2019 habt ihr mit der LSBTI*-Krisenwohnung euer umfangreiches Angebot erweitert – für einen Personenkreis, dessen Lebensrealitäten bisher weitestgehend unbeachtet waren“, so Birgit Münchow.

Nominiert: Maxim-Gorky-Theater, Linos Bitterling und Nodoption

Nominiert waren unter anderem die Initiative „Nodoption“, die sich für das die Anerkennung der Elternschaft gleichgeschlechtlicher Elternteile einsetzt, Linos Bitterling vom Verein „Boxgirls Berlin“ und das Maxim-Gorky-Theater für seine künstlerische Aufnahme von LGBTI*-Themen.

Der Respektpreis wird vom „Bündnis gegen Homophobie“ verliehen. 2009 wurde die Vereinigung vom LSVD-Landesverband zur Anerkennung von queeren Lebensweisen gegründet mit dem Ziel „gemeinsam jeglicher Form von Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung entgegenzutreten“, wie es auf ihrer Webseite heißt. Unter den 129 Bündnismitglieder sind Vereine, Verbände und Firmen, darunter Coca-Cola, der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Evangelische Kirche.

369 Anzeigen der Hasskriminalität gegen LSBTI*-Menschen in Berlin 2021

Im Rahmen der Preisverleihung stellte die Berliner Polizeipräsidentin, Dr. Barbara Slowik, die aktuelle Kriminalitätsstatistik queerfeindlicher Übergriffe für das Jahr 2021 vor. 369 Anzeigen der Hasskriminalität gegen LSBTI*-Menschen habe es 2021 in Berlin gegeben. Davon seien 94 Gewaltdelikte und 270 sonstige Straftaten, wie Beleidigungen und Bedrohung. Die Dunkelziffer ist vermutlich deutlich höher. Diese Zahlen zeigen, dass trotz des vielfältigen Engagements gegen Homophobie auch im 21. Jahrhundert queere Menschen in Berlin immer noch Diskriminierung, Hass und Gewalt ausgesetzt sind.

Die Aufzeichnung der Preisverleihung findne Sie hier: https://www.youtube.com/watch?v=aPE80Yj08rs

*Namen und Personen sind frei erfunden

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