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Javiera Gómez

65 Jahre deutsch-türkisches Anwerbeabkommen: Die Rolle der AWO in der Einwanderungsgeschichte

Am 30. Oktober 1961 unterzeichneten die Bundesrepublik Deutschland und die Türkei ein Abkommen zur Anwerbung von Arbeitskräften. 65 Jahre später erinnert der AWO Landesverband Berlin an die Menschen, die damals nach Deutschland kamen, und blickt auf die Anfänge seiner Migrationssozialarbeit zurück.

Bildnachweis: AWO Landesverband Berlin // Ülker Radziwill

Die Anfänge der Arbeitsmigration

In den 1950er und 1960er Jahren erlebte die Bundesrepublik einen starken wirtschaftlichen Aufschwung, das sogenannte „Wirtschaftswunder“. Weil immer mehr Arbeitskräfte benötigt wurden, schloss Deutschland Anwerbeabkommen mit mehreren Ländern, darunter 1961 mit der Türkei.

Im Juni 1962 lebten rund 15.000 Menschen aus der Türkei in der Bundesrepublik, davon etwa 2.100 in Berlin. Bis zum Anwerbestopp 1973 stieg ihre Zahl bundesweit auf rund 625.000 und in Berlin auf etwa 82.000.

Viele blieben dauerhaft, holten ihre Familien nach und bauten sich in Deutschland ein neues Leben auf.

Türk Danış: Die Anfänge der Migrationssozialarbeit der AWO

Bereits 1962 begann die AWO mit Unterstützung des Bundesinnenministeriums, türkische Arbeitnehmer*innen sozial zu beraten. Unter dem Namen „Türk Danış“ entstanden Beratungsangebote in türkischer Sprache.

Die AWO half bei Konflikten am Arbeitsplatz, nach Arbeitsunfällen sowie bei Fragen zur Krankenversicherung und im Umgang mit Behörden. Die Beratung unterstützte Zugewanderte dabei, ihre sozialen Rechte zu kennen und sich vor Ausbeutung zu schützen.

Auch in Berlin setzten sich Engagierte der AWO früh für die Beratung türkischer Arbeitnehmer*innen ein. Ab 1970 erweiterte die Berliner AWO ihre sozialen Angebote, unter anderem um Vormundschaften, Pflegschaften, Kitas, Wohnheime und Jugendfreizeitstätten.

Bundesweit waren 1971 bereits 159 türkische und jugoslawische Mitarbeiter*innen in 113 AWO Beratungsstellen für Menschen aus diesen beiden Ländern tätig.

Einwanderungsgeschichte ist Berliner Geschichte

Menschen mit türkischer Migrationsgeschichte haben Berlin wirtschaftlich und gesellschaftlich geprägt. Ihre Geschichten sind Teil der Berliner Stadtgeschichte und eng mit der Arbeit der AWO verbunden.

Doch Diskriminierung und Ausgrenzung bestehen bis heute. Die AWO Berlin setzt sich deshalb weiterhin für Respekt, Gleichberechtigung und gesellschaftliche Teilhabe ein.

Gemeinsam auf 65 Jahre Einwanderungsgeschichte zurückblicken

Am 19. November 2026 lädt der AWO Landesverband Berlin zur Veranstaltung „Berlin, Einwanderungsstadt! 65 Jahre deutsch-türkisches Anwerbeabkommen“ ein.

Im Mittelpunkt stehen die persönlichen Erinnerungen und Erfahrungen von Senior*innen türkischer Herkunft und ihren Nachkommen. Gemeinsam mit Migrationsberater*innen und weiteren Gästen möchten wir auf 65 Jahre Einwanderungsgeschichte zurückblicken, Geschichten teilen und miteinander ins Gespräch kommen.

Einlass: 15.30 Uhr
Beginn: 16.00 Uhr
Ort: AWO Haus, Hallesches Ufer 30A, 10963 Berlin

Interessierte können sich hier für die Veranstaltung anmelden.