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Markus Galle

„Chancenhauptstadt Berlin“ – Forderungen der Berliner AWO zur Wiederholungswahl zum Abgeordnetenhaus 2023

Berlin Rotes Rathaus und Fernsehturm
Bildnachweis: Adobe Stock // riebevonsehl

Mit Blick auf die Wiederholungswahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 12. Februar 2023 hat die Berliner AWO verschiedene sozialpolitische Handlungsfelder identifiziert und analysiert. Das daraus entstandene Forderungspapier trägt den Titel „Chancenhauptstadt Berlin“ und ist getrieben von der Idee, dass die gegenwärtigen Krisen auch Chancen für Berlin bieten, diese ergriffen werden müssen und Berlin zur Hauptstadt der genutzten Chancen wird.

Die Aufgaben für die rot-grün-rote Koalition hätten bislang kaum anspruchsvoller sein können, der Krisenmodus war ständiger Begleiter. Allerdings stellt die Berliner Arbeiterwohlfahrt (AWO) fest, dass die Landespolitik die aktuelle Situation angenommen hat. Berlin ist hier grundsätzlich auf einem guten Weg. Doch nicht wenige Berliner Verbände fragen sich, wie es insbesondere in der Sozialpolitik nach dem 12. Februar 2023 weitergehen wird.
Die Berliner AWO sieht in der aktuellen Situation mit parallelen Krisen sowie in der Wiederholungswahl auch Chancen: Die Chance, zu lernen, die Chance, Fehler zu korrigieren, die Chance, Stärke aus dieser Zeit zu ziehen. Es gibt nun die Möglichkeit, Korrekturen vorzunehmen, den Kurs zu schärfen und alle Berliner*innen in den Blick zu nehmen. Vier sozialpolitische Chancenfelder werden hierzu in den Forderungen der AWO näher betrachtet:

Chance auf Fachkräfte

In den nächsten drei bis fünf Jahren wird voraussichtlich ein Drittel des Personals der öffentlichen und freien Träger in Berlin aus dem Berufsleben ausscheiden. Das wird den bereits bestehenden, drastischen Fach- und Arbeitskräftemangel erheblich verstärken. Hier muss die Chance ergriffen werden, alte Fehler zu korrigieren und gute Arbeitsbedingungen mit fairen Gehältern sowie angemessener Wertschätzung zu schaffen.

Konkret fordert die Berliner AWO u. a. eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, insbesondere in sozialen, erzieherischen und pflegerischen Arbeitsfeldern sowie eine schnelle Vereinfachung von Quereinstiegs- und Qualifizierungsregelungen inklusive der konsequenten Förderung ausländischer Fachkräfte.

Chance auf Teilhabe

Die Berliner Stadtgesellschaft besteht aus Millionen individueller Persönlichkeiten, individueller Erwartungen und individueller Voraussetzungen. Die Teilhabe all dieser Menschen am Leben in der Stadtgesellschaft muss politisches Ziel sein. Teilhabe bedeutet u. a., dass tatsächlich alle Bürger*innen die Leistungen erhalten, die ihnen zustehen. Es sollte die Chance ergriffen werden, den eingeschlagenen Weg konsequent, trotz aller Widrigkeiten, weiter zu gehen.

Konkret fordert die Berliner AWO u. a. den Ausbau von Präventions- und Beratungsangeboten sowie eine Bewilligungspraxis, die sich an den tatsächlichen Bedarfen der Hilfesuchenden orientiert.

Chance auf Ankommen und Bleiben

Die Berliner AWO begrüßt den politischen Willen und die gesetzlichen Regelungen für eine Partizipation von geflüchteten Menschen aus der Ukraine von Anfang an. Diese Regelungen müssen jedoch zukünftig für alle nach Berlin kommenden Menschen, unabhängig vom Herkunftsland und Aufenthaltsstatus sowie für viele bereits in Berlin lebende Menschen mit Migrationsgeschichte gelten. Hier gilt es, die Chance wahrzunehmen, aus den Erfahrungen der letzten Jahre zu lernen und die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Konkret fordert die Berliner AWO u. a. einfachen Zugang zu den Angeboten und Diensten der öffentlichen Verwaltung und diskriminierungsfreien Zugang zum Sozialsicherungssystem durch Abbau von Sprachbarrieren sowie die Qualifizierung von Mitarbeiter*innen.

Chance auf Sicherheit

Insbesondere abstrakte Verunsicherungen in den unterschiedlichen Lebensbereichen sowie Ängste vor privaten Notlagen nehmen spürbar zu. So hat die Angst vor unbezahlbarem Wohnraum, die Angst im Alter ein Pflegefall zu werden oder die Angst vor steigenden Lebenshaltungskosten einen großen Stellenwert. Zudem hat auch die konkrete Gewalt gegen bestimmte Menschen(gruppen) zugenommen. Gerade besonders schutzbedürftige Menschen können sich nur in einer menschenfreundlichen und solidarischen Gesellschaft sicher und geschützt fühlen. Berlin hat die Chance Hauptstadt der Vielfalt zu bleiben.

Konkret fordert die Berliner AWO u. a. die Sicherheit, dass steigende Energiekosten nicht zwangsweise zu einer Abschaltung von Strom oder Heizung führen sowie den Ausbau der Schutzräume und des dezidierten Angebotes für Frauen sowie LSBTIQ+-Personen.

Für weitere Informationen, Statements oder die Vermittlung von Interviewpartner*innen steht Ihnen unser Pressesprecher, Markus Galle, gern zur Verfügung.

Anmerkungen

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) ist ein unabhängiger Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege und gliedert sich bundesweit in 30 Bezirks- und Landesverbände, 411 Kreisverbände und 3.514 Ortsvereine. Getragen wird die AWO deutschlandweit von ca. 326.000 Mitgliedern und ca. 228.000 Mitarbeitenden.

Bei der AWO in Berlin und ihren Mitgliedsorganisationen sind rund 8.500 Mitarbeitende beschäftigt. Sie zählt derzeit ca. 6.000 Mitglieder. Als Wohlfahrtsverband ist die Berliner AWO in verschiedenen Bereichen der sozialen Arbeit tätig, so beispielsweise in der Kinder- und Jugendhilfe, der Behindertenhilfe, der Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe, der Seniorenarbeit, der Migrationssozialarbeit und der Pflege. Auch das Thema Frauen und Gleichstellung spielt eine wichtige Rolle. Das Engagement der AWO stellt stets die Hilfe zur Selbsthilfe in den Vordergrund. Die Werte Solidarität, Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Toleranz sind Grundlage für das Handeln in der AWO.

Pressekontakt

  • Markus Galle
    Leitung Stabsstelle Kommunikation // Pressesprecher

    Arbeiterwohlfahrt Landesverband Berlin e.V.
    Stabsstelle Kommunikation
    Blücherstraße 62
    10961 Berlin

    Telefon 030 25 389 252
    Mobil 0151 15 462 701
    E-Mail markus.galle@awoberlin.de