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Saskia Krumbholz / Markus Galle

Zeit ist eine Frage der Gerechtigkeit: Debatte zum Frauentag bei AWO und FES

79 Minuten pro Tag arbeiten Frauen in Deutschland unentgeltlich mehr als Männer. 79 Minuten, die für Erwerbsarbeit, Erholung oder persönliche Interessen fehlen. Wie sich dieses Ungleichgewicht auf Alltag, Arbeitsleben und gesellschaftliche Teilhabe auswirkt, stand im Mittelpunkt einer Diskussionsveranstaltung einen Tag nach dem Internationalen Frauentag im AWO-Haus Berlin am Halleschen Ufer. Rund 80 Gäste waren der Einladung der Friedrich-Ebert-Stiftung und des AWO Landesverbandes Berlin gefolgt.

Diskussionspanel beim Event FES x AWO zum Frauentag.
Bildnachweis: AWO Landesverband Berlin // Markus Galle

Unter dem Motto „Macht Zeit gerecht! Zuhören. Verstehen. Zeitgerechtigkeit gestalten“ diskutierten Vertreter*innen aus Politik, Wissenschaft und Praxis darüber, wie Zeit, Sorgearbeit und Geschlechtergerechtigkeit zusammenhängen und welche politischen sowie betrieblichen Rahmenbedingungen notwendig wären, um Zeit gerechter zu verteilen.

Eröffnet wurde der Abend von Dr. Sabine Fandrych, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Friedrich-Ebert-Stiftung, und Oliver Bürgel, Landesgeschäftsführer des AWO Landesverbandes Berlin. In ihren Begrüßungsworten machten beide deutlich, dass Fragen der Zeitgerechtigkeit eng mit sozialer Teilhabe und der Gleichstellung von Frauen verbunden sind. „Lassen Sie uns gemeinsam überlegen, welche Rahmenbedingungen notwendig sind, damit Zeit nicht länger eine Frage von Geschlecht oder sozialer Lage ist.“, betonte Oliver Bürgel zum Auftakt.

Einen sehr persönlichen Einstieg in das Thema bot anschließend eine Lesung aus Zeit-Tagebüchern zweier Menschen, die ihr tägliches Leben über mehrere Tage hinweg mithilfe einer App dokumentierten. Die Aufzeichnungen stammen aus einem Projekt des Zentrums für neue Sozialpolitik. Die Einblicke in den strukturierten, oft dicht getakteten Alltag machten eindrücklich sichtbar, wie stark Arbeit, Sorgeverantwortung und persönliche Bedürfnisse miteinander konkurrieren. Mit großer Sicherheit haben sich einige Personen im Raum in der Lesung wiedergefunden.

In der anschließenden Diskussionsrunde mit Dr. Yvonne Lott von der Hans-Böckler-Stiftung, Teresa Bücker, Journalistin und Autorin, sowie Prof. Nina Klünder von der Universität Paderborn wurde schnell deutlich, wie komplex die Frage nach Zeitgerechtigkeit tatsächlich ist. Es geht nicht nur um das Verhältnis von bezahlter und unbezahlter Arbeit. Auch Zeit für soziale Kontakte, Sport, Engagement oder Erholung gehört zu einem guten Leben Genau diese Bereiche geraten im Alltag vieler Menschen häufig zuerst unter Druck.
Auch in der folgenden Diskussionsrunde, unter anderem mit Josephine Ortleb, Mitglied des Deutschen Bundestages, Bettina König, Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin, sowie Katja Karger, Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes Bezirk Berlin-Brandenburg, und Vertreterinnen aus Einrichtungen der AWO in Berlin, wurde dieser Punkt immer wieder aufgegriffen. Die Diskussion zeigte, dass Zeitpolitik viele gesellschaftliche Bereiche berührt, von Arbeitszeitmodellen über Familienpolitik bis hin zu sozialen Dienstleistungen.

Am Ende des Abends blieb eine zentrale Erkenntnis: Zeitgerechtigkeit ist eine der großen sozialen Fragen unserer Zeit. Sie wird jedoch noch viel zu selten öffentlich diskutiert. Wer über Arbeitszeiten, Sorgearbeit und Vereinbarkeit spricht, muss immer auch Chancengerechtigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt mitdenken. Gerade deshalb ist der Austausch zwischen Politik, Wissenschaft und Praxis so wichtig, wie er bei dieser Veranstaltung sichtbar wurde.

Diskussionspanel beim Event FES x AWO zum Frauentag.
Bildnachweis: AWO Landesverband Berlin // Markus Galle
Diskussionspanel beim Event FES x AWO zum Frauentag.
Bildnachweis: AWO Landesverband Berlin // Markus Galle
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