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Saskia Krumbholz

Seniorenpolitische Arbeit – Was fordert die Berliner AWO?

Seniorin bedient Tablet, Digitalisierung
Bildnachweis: Adobe Stock // thodonal

Die AWO Berlin steht dafür ein, dass Menschen in Würde alt werden können. Dafür lässt sie sich von den folgenden drei Gedanken leiten:

  • Wir setzen uns dafür ein, dass alle Menschen möglichst selbstständig und entsprechend ihrem Wunsch so lange wie möglich in ihrer häuslichen Umgebung verbleiben können.
  • Wir fördern aktives Leben im Alter und soziale, gesellschaftliche und digitale Teilhabe.
  • Wir stärken den Zusammenhalt und fördern ein solidarisches Miteinander – auch um Einsamkeit im Alter zu vermeiden.

In Berlin bietet die AWO ein breites Freizeit- und Unterstützungsangebot für Senior*innen. Diese umfassen Aktivitäten in Begegnungs- und Freizeitstätten wie interkulturellen Senior*innengruppen sowie ehrenamtliche Besuchsdienste oder einen „fahrbaren Mittagstisch“. Für Senior*innen mit Pflegebedarf gibt es unter dem Dach der AWO Tagespflegen, ambulante Pflegedienste sowie Pflegewohngemeinschaften. Als Träger sowohl von Migrationsdiensten als auch von Angeboten der Altenhilfe wirken wir zudem seit vielen Jahren aktiv an der interkulturellen Öffnung der Altenhilfe in Berlin mit.

Bedeutung der Seniorenpolitik in der Arbeiterwohlfahrt

Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung in Berlin und damit auch der älter werdenden AWO-Mitgliedschaft wächst die Bedeutung seniorenpolitischer Themen.
Die Aufgabe der Politik der nächsten Jahre wird sein: Gutes Alter(n) in Berlin zu ermöglichen. In diesem Prozess sieht es die AWO Berlin als ihren sozialpolitischen Auftrag als wohlfahrtverbandlicher Interessenverband für ihre Werte einzustehen und sich für die Bedarfe und Bedürfnisse von Senior*innen einzusetzen. Handlungsleitend ist das Verständnis der AWO, dass sich die Altenhilfe der Zukunft weg von der Institutions-Orientierung hin zu dem Bedarf der Menschen und zur Teilhabe der älteren Generation gestaltet werden muss.

Oder anders gesagt: Altenhilfe vom Menschen her denken. Dies entspricht dem AWO Selbstverständnis als inklusiver Verband.

Die Bedeutung der Seniorenpolitik ist auch in den Verbandszielen bis 2023 verankert:

  • Eine Zielsetzung ist, dass die AWO ein attraktiver Mitgliederverband ist und explizit die Bedarfe älterer Menschen berücksichtigt.
  • In dem neu eingesetzten Fachbeirat Klimagerechtigkeit ist die Perspektive älterwerdender Menschen verankert. In einem nächsten „AWO-Klima-Frühstück“ werden wir speziell die Perspektive älterer Menschen einnehmen.
  • Eine Maßnahme ist, dass Engagement als Mitglied im Landesseniorenbeirat Berlin.
  • In 2021 wurde ein AWO Ältere(n)-Beirat gegründet, um Älteren im Verband eine Stimme zu geben. Dort werden seniorenpolitische Fragestellungen erörtert und Positionierungen definiert, z.B. zu Themen wie Einsamkeit im Alter, Wohnen im Quartier, interkulturelle Öffnung der Altenhilfestrukturen
  • Durchführung von Veranstaltungen: Höhepunkt war der Jahresempfang 2021 unter dem Motto „In Berlin alt werden- (wie) geht das gut?“ unter Beteiligung von Prof. Dr. Thomas Klie

Gutes Alter(n) in Berlin

Ein wesentliches Ergebnis dieses Empfanges ist die Selbstverpflichtung der AWO Berlin sich für die Umsetzung eines Altenhilfestrukturgesetzes einzusetzen. Wir sehen die Berliner Altenpolitik in der Verantwortung, Voraussetzungen für Gutes Alter(n) in Berlin zu schaffen. Es ist erforderlich, dass alle Akteure mit den Senior*innen zusammenwirken um bedarfsgerecht zu planen und Angebote zielgerichtet einzusetzen und zu nutzen.
Als AWO setzen wir uns dafür ein, dass die Altenhilfe nach § 71 SGB 12 zur kommunalen Pflichtaufgabe wird. Wir begrüßen, dass im Haushalt 2022/2023 Mittel für das gemeinsame Gesetzesvorhaben eingestellt wurden. Ein guter erster Schritt, aber damit ist noch nicht sicher, dass es zu einem Gesetz kommt. Hier hätten wir uns mehr Mut von der Politik gewünscht, sich klar zu dem Vorhaben zu bekennen.

Die Seniorenpolitische Gesprächsreihe

Ein weiteres Ergebnis des letzten Jahresempfanges war die Verabredung, Diskussion über Seniorenpolitische Themen anzuzetteln – in den Dialog gehen, ins Gespräch mit den Senior*innen nicht über die Senior*innen zu kommen.
Dies war der Beginn der Seniorenpolitischen Gesprächsreihe der Berliner AWO. Im jeweiligen Gespräch soll jeweils ein zentrales Thema Guten Altern(s) in Berlin in den Mittelpunkt gestellt werden. Gastredner*innen sind Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis. Die Veranstaltung richtet sich vorrangig an Seniorinnen und Senioren, Vertreter*innen der Seniorenpolitik, der Verbände, Verwaltung, der Politik und weiteren Interessierten. Neben dem Impulsvortrag soll Raum geschaffen werden, gemeinsam ins Gespräch zu kommen. Die AWO Berlin möchte mit dieser Veranstaltungsreihe einen Beitrag leisten, die Bedarfe älterer Menschen in Politik und Gesellschaft besser zu berücksichtigen und Teilhabe von Senior*innen zu gewährleisten.

Das 1. Seniorenpolitische Gespräch „Im Alter digital unterwegs in Berlin“

Am 4. Juli 2022 fand das 1. Seniorenpolitische Gespräch zum Thema Alter und Digitalisierung statt. Das Thema digitale Teilhabe älterer Menschen hat eine große Bedeutung in der AWO Berlin. Die Förderung der digitalen Teilhabe von Seniorinnen und Senioren ist uns ein wichtiges Herzensanliegen für die kommenden Jahre. Dabei verstehen wir digitale Teilhabe als Teil der Daseinsvorsorge.
Seit 2018 liegt ein Beschluss der AWO Landeskonferenz vor, der die Förderung der digitalen Teilhabe älterer Menschen vorsieht, jedoch immer unter der Beibehaltung analoger Alternativen. Daraus ist unter anderem das Projekt Seniorennetz Berlin entstanden. Es ist für und mit Senior*innen entwickelt.
Das Projekt leistet einen Beitrag, älteren Menschen in Berlin eine umfassende Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Dieses Ziel wird unter anderem mittels der Etablierung einer barrierefreien und mehrsprachigen digitalen Plattform für Senior*innen erreicht. Auf dieser werden zielgruppenrelevante, wohnortnahe Informationen und Angebote eingepflegt. Notwendige digitale Kompetenzen können in begleitenden kostenfreien Schulungsveranstaltungen erworben werden. Auch für Senioren und Seniorinnen, die nicht über die notwendigen Zugangsvoraussetzungen verfügen, werden Zugangsmöglichkeiten, z. B. in Seniorenfreizeitstätten, geschaffen. Das Projekt erfährt große Resonanz auf allen Ebenen, bei den Menschen, den Bezirken, auch bundesweit und innerhalb der AWO. Zudem wurde das Projekt von der Initiative Digital Pakt Alter der BAGSO zu einem von 50 weiteren Erfahrungsorten in Deutschland ausgewählt.

Damit bestätigen die Projektergebnisse den eingeschlagenen Weg der AWO Berlin. Im Rahmen des Projektes werden aber auch die weitergehenden Bedarfe in Berlin im Bereich Digitalisierung und Alter deutlich. Zum Beispiel der Bedarf an sogenannten Komm-Angeboten zur Förderung digitaler Kompetenzen oder fehlende Beratungsstrukturen für kleinteilige Anfragen von Senior*innen, die sich in der digitalen Welt bewegen möchten.

Wie steht es um das Thema Digitalisierung und Alter in Berlin?

Drei Aspekte: 8. Altersbericht, Berliner Koalitionsvertrag, Seniorenpolitische Leitlinien

Seit 2020 liegt der Achte Altersbericht der Bundesregierung Ältere Menschen und Digitalisierung vor, in dem viele wesentliche Aufgaben der Politik in zwölf Empfehlungen der Sachverständigenkommission herausgearbeitet wurden. Der AWO Berlin ist insbesondere die Umsetzung der Empfehlung Zugang und Nutzung von digitalen Technologien für alle ermöglichen ein Anliegen. Denn die Erfahrungen der Praxis zeigen, dass vermehrt Senior*innen finanzielle Mittel z.B. für eine Anschaffung von Endgeräten fehlen. An die AWO Berlin werden Ängste vor steigenden Energiekosten oder Kosten für W-Lan herangetragen. Um digitale Spaltung zu verringern und um die digitale Exklusion bestimmter Gruppen älterer Menschen zu vermeiden, müssen Zugangs- und Nutzungshindernisse abgebaut werden. Insbesondere sozial schlechter gestellte, ältere Menschen müssen durch finanzielle Hilfen sowie niedrigschwellige und zielgruppenspezifische Informations- und Bildungsangebote unterstützt werden.

Im Koalitionsvertrag der Rot-Grün-Roten Landesregierung steht unter dem Punkt Soziales: „Für ältere Menschen ohne Vorkenntnisse wird Unterstützung zur Anwendung digitaler Kommunikation angeboten und analoge Zugangsmöglichkeiten in den öffentlichen Bereichen weiterhin bereitgestellt.“ Unbeantwortet bleiben die Fragen der Umsetzung: Wie erfolgt diese? Ist das ausreichend? Und häufig ein zentrales Ärgernis beim Thema Altenhilfe: in welcher Verwaltung ist die Zuständigkeit verankert?

In 2021 wurden die Leitlinien der Berliner Seniorenpolitik „Zugehörigkeit und Teilhabe der Generation 60plus in Berlin“ und der entsprechende Maßnahmenkatalog verabschiedet. Die AWO begrüßte die Verabschiedung der Leitlinien ausdrücklich. Das Ziel zur Führung eines eigenverantwortlichen Lebens in der Gemeinschaft zu befähigen und andererseits die Bedingungen für umfassende Teilhabe zu schaffen, entsprechen dem Leitbild der AWO. Seit ihrer Gründung steht Hilfe zur Selbsthilfe im Vordergrund der Arbeit der Arbeiterwohlfahrt. Dennoch bilden aus Sicht der AWO Berlin die seniorenpolitischen Leitlinien das Thema der digitalen Teilhabe von Senior*innen gleichfalls nicht ausreichend ab.

Für Berlin müssen wir daher feststellen: es besteht dringender Nachbesserungsbedarf auf unterschiedlichen Ebenen, um die digitale Teilhabe von Senior*innen in Berlin zu ermöglichen. Vom ersten Seniorenpolitischen Gespräch ging dazu ein wichtiger Impuls aus an diesem Thema weiterzuarbeiten und sich für die digitale Teilhabe von Senior*innen einzusetzen. Die seniorenpolitische Gesprächsreihe der AWO Berlin wird im Herbst 2022 fortgesetzt und weiterhin das seniorenpolitische Engagement der AWO Berlin begleiten.