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In welcher Gesellschaft wollen wir leben?

05. September 2019
Autor: Markus Galle

„Wir müssen öfter miteinander reden als übereinander. Dazu brauchen wir weit mehr Möglichkeiten zur Begegnung als es aktuell der Fall ist.“ Dieser kurze Ausschnitt aus dem Beitrag von Raúl Krauthausen, seinerseits sicher auf die gesamte Gesellschaft bezogen, galt im Kleinen auch für den gestrigen Jahresempfang der Berliner Arbeiterwohlfahrt (AWO). Der Aktivist für Inklusion und Barrierefreiheit war der Hauptredner der diesjährigen Veranstaltung mit 150 Gästen, darunter führende Akteur*innen bzw. Multiplikator*innen der Sozialpolitik und der Sozialwirtschaft Berlins. Raum zur Begegnung gab es an diesem Abend reichlich. Aber der Reihe nach:

Der Abend in der Heilig-Kreuz-Kirche in Berlin Kreuzberg stand unter dem Motto „100 Jahre AWO – In welcher Gesellschaft wollen wir leben?“. Der Berliner Landesverband der AWO hatte zum „Jubiläumsempfang“ bewusst ein Zukunftsthema gewählt. Damit wird der Anspruch unterstrichen auch zukünftig ein wichtiger sozialpolitischer Akteur in Berlin zu sein.

Dazu passte natürlich das Grußwort des Regierenden Bürgermeisters von Berlin und langjährigen AWO Mitglieds, Michael Müller. Nach der Begrüßung durch den stellvertretenden Landesvorsitzenden, Manfred Nowak, ergriff er das Wort und gewährte den Zuhörer*innen Einblicke in seine Vision einer inklusiven, demokratischen Gesellschaft. Für Michael Müller ist eine solche besonders davon geprägt, dass sich jede*r mit seinen bzw. ihren Möglichkeiten und Interessen einbringt und auch einbringen kann.

Damit war die Brücke zum Hauptreferenten Raúl Krauthausen geschlagen. Schnell kam er mit seinen launigen, und doch sehr ernsthaften Ausführungen zum eigentlichen Punkt und sparte dabei nicht an Kritik. So sprach er über seine persönlichen Erfahrungen im Alltag, die täglichen kleinen und großen Hürden und die teils doch recht einfachen Möglichkeiten der Behebung. „In vielen Bereichen werden Menschen mit Behinderung vergessen“ war einer der Sätze, die im Gedächtnis bleiben. Er spielte damit u. a. auf die Digitalisierung an, die für bestimmte Gruppen nicht nur Vorteile bringt. Auch ließ er es sich nicht nehmen, einen Appell an die Wohlfahrtspflege zu formulieren. Man solle sich dringend und immer wieder die Frage stellen, ob man noch im Sinne der Klient*innen handelt oder ob mittlerweile andere Aspekte wie Auslastung und Profitabilität im Vordergrund stehen.

In der Abschlussrunde wurde u. a dieses Thema vom Moderator des Abends, Oliver Bürgel, aufgenommen und auch der Senat in die Pflicht genommen. Unter den Gästen waren u. a. die Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, Elke Breitenbach, und der Senator für Finanzen, Dr. Matthias Kollatz, die an dieser Stelle sicher gut hinhörten.

„Die Frage nach unseren gesellschaftlichen Vorstellungen ist hochaktuell. Doch darf sich die öffentliche Debatte nicht nur um Migration oder politische Gesinnungen drehen. Deshalb haben wir heute unseren Fokus auf das Thema Inklusion bzw. Leben mit Behinderung gelegt – mit Erfolg.“, zog Oliver Bürgel, Landesgeschäftsführer der Berliner AWO, Resümee eines gelungenen, aber auch nachdenklich machenden Jahresempfangs.

Bildnachweis: AWO Landesverband e.V. // Wolfgang Borrs