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Gemeinsam für bessere Ankommensstrukturen in Berlin

02.07.2018
Autor: Markus Galle

Die Stadt Berlin zieht jedes Jahr zehntausende neue Einwohner*innen an. Auch 2017 konnte sie einen Zuwachs von 41.308 auf insgesamt 3.711.930 verzeichnen. Über 80 % der neuzugezogenen Menschen haben, laut Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, keine deutsche Staatsangehörigkeit, davon stammt die Mehrzahl aus dem europäischen Ausland. Insbesondere in Zeiten von Fachkräftemangel und vielschichtigen Integrationsdebatten ist es deshalb von zentraler Bedeutung, den neuzugewanderten Menschen in Berlin übersichtliche und funktionierende Strukturen für einen guten Start in einer neuen Stadt zu bieten.

Vor diesem Hintergrund trafen sich knapp 100 Verbandsvertreter*innen, städtische Akteure, Migrant*innenselbstorganisationen sowie Neuzugewanderte, am 2. Juli 2018 im Rathaus Pankow. Organisiert vom AWO Landesverband Berlin e. V., in Kooperation mit der Integrationsbeauftragten des Bezirks Pankow, wurden im Rahmen eines Fachtages die Strukturen beleuchtet, die Migrant*innen bei ihrer Ankunft in Berlin vorfinden.

Die Veranstaltung trug den Titel „Wo geht’s lang? Kommunale Strukturen für Neuzugewanderte in Berlin“ und schnell wurde klar, dass das Thema in den vergangenen Tagen noch mehr an Aktualität gewonnen hat. In Zeiten, in denen auch auf bundespolitischer Ebene Flucht und Migration oft undifferenziert und als Synonyme gesehen werden, hat Aufklärung sowie eine sachliche und inhaltliche Debatte aus der Praxis einen hohen Wert. Mit diesem Tenor begrüßte auch Sören Benn, Bezirksbürgermeister von Berlin Pankow, die Teilnehmer*innen im, bis auf den letzten Platz gefüllten, Großen Saal des Rathauses. Nachdem Anita Leese-Hehmke, als Vertreterin des AWO Landesvorstandes, ebenfalls einordnende Grußworte an das Plenum richtete, standen mit Katarina Niewiedzial und Stephan Winkelhöfer, die Integrationsbeauftragen der Bezirke Pankow bzw. Mitte, zwei ausgewiesene Experten auf der Bühne. Im Interview mit der Moderatorin, Natalie A. Grier, fanden sie kritische, aber durchaus auch lobende Worte in Bezug auf die Ankommensstrukturen in Berlin bzw. in ihren jeweiligen Bezirken. So bezeichneten beide bspw. die Vernetzung der Bezirke untereinander als sehr gut und hoben in diesem Kontext die Landesarbeitsgruppe der Integrationsbeauftragten hervor.

Im Anschluss wurde der Blick geweitet und mit Claudia Tribin (Xochicuicatl e. V.), Ohmed Arghandiwal (Yaar e. V.), Nele Allenberg (Willkommenszentrum Berlin), Tobias Stapf (minor Projektkontor für Bildung und Forschung) sowie Anke Otter-Beaujean (AWO Landesverband Berlin e. V.) betraten Expert*innen aus ganz unterschiedlichen Bereichen und Institutionen die Bühne. An dieser Stelle wurde klar herausgestellt, dass die AWO eine Stärkung der bezirklichen Integrationsbeauftragen zur Steuerung und Umsetzung von Angeboten bzw. Diensten sowie als Motor der interkulturellen Öffnung der Verwaltungsstrukturen unterstützt. Auch das Publikum brachte sich in die Diskussion ein und es wurde einmal mehr deutlich, welche Relevanz diesem Thema gebühren sollte.

Am Nachmittag kamen dann Neuzugewanderte selbst zu Wort. Im Rahmen der drei interaktiven Workshops sollte den Fragen „Wie bist Du in Deutschland angekommen?“, „Wo stehst Du heute?“ und „Was würdest Du ändern, damit der Start einfacher wird?“ auf den Grund gegangen werden.

Bemerkenswert waren hier besonders die Aussagen, die zwar auf der Hand liegen, aber in der aktuellen politischen Situation allzu oft keine Beachtung finden, so wurden u. a. die vielen unterschiedlichen Gründe und Voraussetzungen für die Migration nach Deutschland dargestellt. Ohne diese Differenzierung und den Fragen bspw. nach den individuellen Lebensumständen, den Gründen der Migration, der Religion oder des Herkunftslandes kann eine Diskussion nicht oder nur sehr pauschal geführt werden.
Die Neuzugewanderten forderten in den Workshops u. a. eine Beratung auf Augenhöhe, die Vereinfachung der Bürokratie, eine Aufstockung des Personals, eine Diversitykultur in den Verwaltungen sowie eine bessere bzw. einfachere Anerkennung der Vorerfahrungen und Abschlüsse aus den Herkunftsländern.

Dr. Wilfried Kruse, Koordinator der Arbeitsgemeinschaft Weinheimer Initiative, rundete den Tag mit zusammenfassenden Worten ab und würdigte, ebenso wie Dirk Arp-Stapelfeldt, stellvertretender Geschäftsführer des AWO Landesverbandes e. V., explizit noch einmal die wichtige Rolle der Migrant*innenorganisationen.

„Die AWO wird weiterhin eine wichtige Akteurin auf dem Feld der Migrationsberatung bleiben und mit Beratungsangeboten, Lobbyarbeit sowie der Schaffung von Raum für Begegnungen und Diskussion ihren Anteil an einer weiteren Verbesserung der Ankommensstrukturen in Berlin leisten.“, so Dirk Arp-Stapelfeldt in seinem Abschlussstatement.

Und so zeigte sich an diesem Tag in Pankow insbesondere, dass es eine breite Ankommensstruktur in der Stadt gibt, die durchaus in der Lage ist, gute Arbeit zu leisten. Dennoch muss das Thema weiter besprochen, platziert und verbessert werden. Ein weiterer Schritt ist mit diesem Fachtag getan.