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Ein Tag… in der Kältehilfe

20.12.2019
Autorin: Berthe Jentzsch

Viele Frauen*, die an diesem Dezembertag in das Gästehaus des Jugendkulturzentrums Pumpe kommen, sind Stammgäste. Sie kommen jeden Abend. Junge, Alte, Frauen*, die einer Arbeit nachgehen, Arbeitslose, Frauen* mit den verschiedensten Hintergründen und Lebensgeschichten. Sie alle haben jedoch eines gemeinsam: Sie sind obdachlos. Manche von ihnen seit Kurzem, manche schon seit Jahren.

Während Ehrenamtliche Brinja in der Küche im Erdgeschoss Möhren und Kartoffeln für das Abendessen schneidet, stapelt Koordinatorin Malaika nebenan frische Bettwäsche für die Bewohner*innen. 19 Frauen* schlafen heute Nacht in der Kältehilfe des AWO Kreisverbandes Mitte, die seit Anfang November im Gästehaus des Jugendkulturzentrum Pumpe eingerichtet ist. Zehn Zimmer mit jeweils vier bis zehn Betten stehen für obdach- und wohnungslose Frauen in den kalten Monaten bis Ende März zur Verfügung. In einem der Zimmer haben die Frauen eine Kosmetikecke eingerichtet. Ein gehäkelter Teddybär liegt auf einem Kopfkissen. Aufnahmekriterien gibt es wenige. Wer weiblich, inter- oder transgeschlechtlich und bedürftig ist und bis 22 Uhr an der Tür klingelt, wird eingelassen. Anmelden können sich die Frauen* vorab über die Handynummer der Unterkunft. Hunde sind erlaubt, Drogen und Waffen nicht.

Hier, in der Kältehilfe in der Lützowstraße 42, können die Frauen* nicht nur übernachten, sondern auch duschen und einmal im Monat ihre Wäsche waschen. Zudem bekommen sie abends eine warme Mahlzeit sowie morgens zwischen 6.30 und 7.30 Uhr ein Frühstück.

Brinjas Gemüseeintopf ist fast fertig. Um 18 Uhr hat die Schicht der Studentin begonnen. Genau wie Malaika, die auch letztes Jahr die Koordination der Kältehilfe in der Pumpe übernahm, studiert sie Soziale Arbeit in Berlin. Meist sind zwei Ehrenamtliche ab 19 Uhr anwesend. Sie überprüfen die Zimmer, lassen den Wachschutz herein, kochen das Essen, bereiten die Wäscheausgabe vor. Ab 20 Uhr kommen die Gäste, wie die Frauen hier genannt werden. Fast minütlich surrt die Türklingel bei Einlassbeginn kurz nach acht. Bettwäsche wird ausgegeben, dann das Abendessen verteilt. Heute gibt es Reis mit Nürnberger und Bouletten, dazu Brinjas Gemüseeintopf und Antipasti aus dem Restaurant „Alte Pumpe“ nebenan. Fleisch steht eher selten auf dem Speiseplan und wird daher von den Gästen dankend angenommen. Über das „Menü“ entscheidet die erste Schicht. Gekocht wir je nach dem, was an Spenden oder von den Lebensmitteln der Tafel da ist und zuerst verbraucht werden muss.

Neben dem Wachschutz bleibt eine Ehrenamtliche über Nacht. Sie schläft in dem Büro neben der Küche, wie auch die Gäste in Doppelstockbetten. Heute Abend wird Dani diese Schicht übernehmen. Sie ist nun schon das dritte Jahr dabei.

Kurz vor 22 Uhr besucht Hilke Bauer die Kältehilfe in der Lützowstraße 42. Die Rentnerin fährt ehrenamtlich für die Berliner Tafel und bringt auch über „Foodsharing“ gespendetes Essen aus Restaurants, Shoppingmalls oder Supermärkten, die sie vorher mit ihrem Auto anfährt, in das Gästehaus der Pumpe. Heute war es ein ertragreicher Abend. Ihr Kofferraum ist gefüllt mit Gebäck, Falafel, Hamburger, Nudelsalat und Brötchen. Sogar eine Kiste frischer Pizzen und gegrilltes Hühnerfleisch ist dabei. Das wird morgen auf dem Speiseplan stehen.

Bildnachweis: AWO Landesverband Berlin e.V. // Berthe Jentzsch