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Berliner AWO fordert flexible Betreuungszeiten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf

12.11.2014Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft hat im Juni und Juli 2014 eine Studie durchführen lassen um festzustellen, ob die finanzierten Betreuungsplätze in Kitas auch tatsächlich in Anspruch genommen werden. Das Ergebnis liegt nun vor und zeigt Folgendes auf:

  • Die tägliche Anwesenheit der Kinder entspricht im Durchschnitt genau den finanzierten Anwesenheitszeiten der Erzieher_innen.
  • Die Beitragsfreiheit führt nicht zu einer regelmäßig längeren täglichen Nutzung durch die Eltern. Zwischen den unter dreijährigen Kindern (mit Elternbeiträgen) und den Kindern ab drei Jahren (beitragsfrei) gibt es kaum Veränderungen im Nutzungsverhalten.
  • Es gibt Vorhaltefunktionen im Kitasystem, die nicht in der kindbezogenen Finanzierungspauschale abgebildet sind. Dazu gehören die bedarfsgerechten Öffnungszeiten und unterjährige Belegungsschwankungen.

Im Durchschnitt nutzen Eltern genau die Betreuungszeiten, die ihnen ihr Gutschein vorgibt. Eine lange Verweildauer (ganztags erweitert) wird flexibel in Anspruch genommen: genau dann, wenn sie erforderlich ist. Damit nutzen Eltern die Kita sehr verantwortungsbewusst.

Berlin ist die „Hauptstadt der Alleinerziehenden" und verfügt auch über die höchste Frauenerwerbsquote Deutschlands. Familien müssen daher flexibel reagieren können auf ihre Arbeitssituation. Eine Flexibilität in den Öffnungszeiten ist für sie unabdingbar zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Mit den finanzierten Personalressourcen gehen die vorgegebenen langen Öffnungszeiten zu Lasten der Qualität als Bildungseinrichtung. Zeit für mittelbare pädagogische Arbeit (Beobachtung, Dokumentation, Entwicklungsgespräche u. a.) ist bisher in der Personalbemessung unzureichend abgebildet und nicht ausfinanziert.

Die Arbeiterwohlfahrt fordert den Senat und das Abgeordnetenhaus auf, hier eine politische Bewertung vorzunehmen:

  • Im Berliner Personalschlüssel sind bereits Fehlzeiten von Kindern und Erzieher_innen enthalten. Aus der Nutzungserhebung können keine Personalschlüsselkürzungen abgeleitet werden.
  • Die Kosten für einen vertraglich vergebenen Kitaplatz lassen sich nicht herunterrechnen: ob Personal, Ausstattung, Reinigung, Erstellung des Mittagessens oder Miete / Instandhaltung, alle Kosten entstehen unabhängig von der tatsächlichen Anwesenheit eines Kindes. Kürzungen führen zu Standardabsenkungen. Ist das politischer Wille?
  • Die Kita als Bildungseinrichtung benötigt einen Personalschlüssel, der die Umsetzung des Berliner Bildungsprogramms in den Mittelpunkt stellt. Die Personalberechnungsgrundlagen aus dem Jahr 1978 bedürfen deshalb einer Neubewertung, die sowohl mittelbare pädagogische Arbeit als auch eine an wissenschaftlichen Standards orientierte Erzieher-Kind-Relation umfasst.
  • Zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist Flexibilität auch zukünftig im System der Kinderbetreuung dringend erforderlich. Ziel der Berliner Familienpolitik muss sein, das Angebot an bedarfsgerechten und personell gut ausgestatteten Betreuungsplätzen in Kitas weiterzuentwickeln.