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AWO Jahresempfang „Der Wandel des sozialen Klimas in Berlin“

07. September 2018
Autor: Markus Galle

Auf Einladung des AWO Landesverbandes Berlin kamen am Donnerstag, den 6. September 2018, ca. 160 führende Akteur*innen bzw. Multiplikator*innen der Sozialpolitik und der Sozialwirtschaft Berlins sowie ehren- und hauptamtliche Vertreter*innen der AWO zum diesjährigen Jahresempfang zusammen. Der Abend in der Kreuzberger Heilig Kreuz-Passion stand unter dem Motto „Der Wandel des sozialen Klimas in Berlin“. Damit setzt der Jahresempfang den in den letzten Jahren eingeschlagenen Weg der inhaltlichen Profilierung fort.

Nach der Begrüßung durch den stellvertretenden Landesvorsitzenden der Berliner AWO, Manfred Nowak, folgten Impulsvorträge von Lorenz Maroldt, Chefredakteur des Tagesspiegels, sowie Prof. Dr. Stefan Sell, Sozialwissenschaftler an der Hochschule Koblenz. Lorenz Maroldt hatte hierbei die Rolle des „Berlinkenners“ inne und blickte auf die Frage nach dem Wandel des sozialen Klimas aus seiner ganz persönlichen Sicht. Ausgangspunkt seines Beitrages war die Frage, ob sich überhaupt ein Wandel des sozialen Klimas beobachten lässt. Neben einigen Beispielen für einen Wandel in negativer Richtung, angefangen vom Berliner Stadtverkehr bis hin zur Lage der Verwaltung in der Hauptstadt, war u. a. auch eine positive Beobachtung seinerseits bemerkenswert. So nimmt aus seiner Sicht die Spenden- bzw. die Engagementbereitschaft in der Stadt seit Jahren zu. Ein Aspekt, der insbesondere im Bereich der Wohlfahrtspflege mit Interesse zur Kenntnis genommen wurde. Im Anschluss näherte sich Prof. Dr. Stefan Sell dem Thema aus eher wissenschaftlicher Sicht. Er kam im Rahmen seiner Ausführungen ebenfalls nicht zu dem Schluss, dass sich das soziale Klima grundsätzlich negativ entwickelt. Vielmehr müsse die Betrachtung differenziert erfolgen, so stiegen bspw. soziale Spannungen in bestimmten städtischen Problembereichen signifikant an, während die einschlägigen Statistiken, wie bspw. die Kriminalstatistik bundesweit seit einigen Jahren eher sinkende Fallzahlen ausweisen. In Richtung der Berliner Stadtpolitik wurde seinerseits der eindringliche Appell gerichtet, erheblich mehr Augenmerk auf den Ausbau von Bildungsstrukturen zu legen. In Richtung der Wohlfahrtspflege forderte Prof. Dr. Stefan Sell deutlich mehr Einmischung – nur die Rolle des Dienstleisters einzunehmen wäre aus seiner Sicht ein falsches Signal seitens der Wohlfahrtsverbände.

Die beiden gut aufeinander abgestimmten Impulsreferate bildeten die Diskussionsgrundlage der abschließenden Fish-Bowl-Diskussion. Moderiert von Dirk Arp-Stapelfeldt, stellvertretender Landesgeschäftsführer, konnte nun auch das Publikum seine Sicht auf das Thema bzw. seine Fragen einbringen. Im Speziellen wurden an dieser Stelle Wortbeiträge eingebracht, die die Referate in Bezug zur aktuellen Situation der AWO setzen. „Was bedeutet politische Einmischung im Konkreten?“ oder „Wie gehen wir mit Hetze bzw. ungerechtfertigter oder undifferenzierter Kritik an unserer Arbeit um?“ waren wichtige Fragen, die in der Diskussion gestellt wurden.

Diese Fragen wurden selbstverständlich im Rahmen des anschließenden Empfangs weiter diskutiert. Hierbei waren die anwesenden Vertreter der Berliner Politik, unter ihnen bspw. Dr. Dirk Behrendt, Senator für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung, Raed Saleh, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, oder Ralf Wieland, Präsident des Abgeordnetenhauses von Berlin, gefragte Gesprächspartner.

Am Ende eines gelungenen Abends konnte die Berliner AWO auf eine Veranstaltung mit vielen neuen inhaltlichen Impulsen, differenzierten Sichtweisen und interessanten Gesprächen zurückschauen. Der nächste Jahresempfang der Berliner AWO wird im Jubiläumsjahr 2019 wieder im September in der Heilig Kreuz-Passion stattfinden.