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100 Jahre Arbeiterwohlfahrt

13.12.2019
Autoren: AWO Bundesverband e.V./ Jennifer Rotter;  Berthe Jentzsch

Es ist ein historisches Datum - Vor 100 Jahren, am 13.12.1919, wurde die Arbeiterwohlfahrt gegründet. Mit ihrer 100-jährigen Geschichte zählt sie so zu den ältesten Wohlfahrtsverbänden in Deutschland. Die Gründung der AWO geht auf die Initiative der Frauenrechtlerin und Sozialdemokratin Marie Juchacz zurück. Die Motive ihres Wirkens fasst Marie Juchacz selbst 1927 so zusammen: „Der Gedanke der Solidarität, der alle Zweige der Arbeiterbewegung so wundervoll belebt, ist auch die Triebfeder unseres gemeinsamen Handelns zum Wohle hilfsbedürftiger Menschen. Der Starke soll mit eintreten für den Schwachen zum Wohle des Ganzen.“ Wenige Wochen nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde die AWO verboten, weil sich ihre Mitglieder der Gleichschaltung verweigerten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Verband 1946 in Hannover neu gegründet. Seit der Wiedervereinigung ist die AWO bundesweit tätig. Sie gehört heute zu den sechs Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege und wird bundesweit von rund 318.000 Mitgliedern, 74.000 ehrenamtlich engagierten Helferinnen und Helfern sowie 231.000 hauptamtlichen Mitarbeiter*innen getragen.

„Heute ist ein emotionaler Tag für die Arbeiterwohlfahrt. Vor 100 Jahren hier in Berlin durch Marie Juchacz gegründet, können wir auf eine intensive, bewegte und erfolgreiche Zeit zurückschauen. Natürlich ist die Welt von 1919 nicht mehr mit unserer jetzigen Zeit vergleichbar. Die Werte der Arbeiterwohlfahrt – Solidarität, Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Toleranz – bleiben aber zeitlos. Mitunter müssen wir sie sogar stärker verteidigen als uns lieb sein kann. Die AWO kämpft seit 100 Jahren für Menschen ohne Lobby, für ein menschenwürdiges Leben und für ein gerechtes Miteinander. Insbesondere bei den Themen Vielfalt, Gleichstellung und soziale Gerechtigkeit gibt es noch sehr viel zu tun. Die Arbeiterwohlfahrt wird sich diesen Aufgaben auch zukünftig sowohl im Haupt- als auch im Ehrenamt mit vollem Einsatz stellen“, so Ina Czyborra, Landesvorsitzende der Berliner AWO.

Anlässlich ihres Jubiläums kritisiert der Verband die seit Jahren unverändert wachsende Kluft zwischen Arm und Reich und fordert von der Politik einen entschlosseneren Einsatz für gerechte Lebensverhältnisse in Deutschland. Über 13 Millionen Menschen hierzulande sind von Armut betroffen, das Vermögen ist extrem ungleich verteilt. Zu viele Menschen können nicht am Wohlstand unserer Gesellschaft teilhaben. Es kann uns nicht nur darum gehen, dass niemand hungert, es muss uns um gerechte Lebensverhältnisse für alle Menschen gehen. Chancengleichheit und Teilhabe sind lange nicht hergestellt, wenn jemand nur gerade genug zu essen auf dem Tisch hat. Den sozialen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft sichern wir nur durch eine konsequente Umverteilungspolitik.

Auch im Jahr 2019 sind die Anliegen, mit denen Marie Juchacz 1919 die Arbeiterwohlfahrt gegründet und ihr Selbstverständnis und ihren Anspruch geprägt hat, wie Frauenrechte, Vielfalt, Teilhabe, Menschenwürde, Gerechtigkeit und Solidarität, die Themen, für die sich die AWO engagiert. Dazu kommen neue gesellschaftliche Herausforderungen. Ein besonderes Anliegen ist der Arbeiterwohlfahrt dabei die klare Absage an rechten Populismus.

Bildnachweis: AWO Landesverband Berlin e.V.